Regel 7 – Dauer des Spiels

Liebe Fussballfreundinnen und -freunde,

eine relativ kurze Regelauslegung betrifft die Dauer des Spiels. Sie ist jedoch von enormer Bedeutung, wie im folgendem zu lesen ist.

Da jedoch alles definiert sein muss, ist selbstverständlich auch die Spielzeit exakt definiert, inklusive Zugabe.
Da ich immerwieder gerne auf die Spielerei im Stadtpark zu Kindertagen zurückgreife, komme ich auch hier nicht umhin, den Vergleich bzgl. der Spielzeit zu bemühen. Unsere Spiele im Stadtpark wurden oftmals bis ’10‘ ausgespielt, der Seitenwechsel fand dementsprechend bei ‚5‘ statt. Unsere damalige absolut offensiv ausgerichtete Spielweise lies dieses System problemlos zu, während die Spielsysteme (→ in späteren Folgen dazu mehr) der Bundesligamannschaften damit zu einer Spieldauer von einigen Stunden bis Tage aufwarten könnten.

Ein Spiel dauert 90 Minuten!

Also theoretisch – so ungefähr circa um die 90 Minuten.
Die Spielzeit wird geteilt in 2 Spielhälften – die erste und die zweite Halbzeit. In jeder Halbzeit hat der Schiedsrichter die Möglichkeit, ‚verlorene‘ Spielzeit nachspielen zu lassen. Gründe dafür sind Verletzungen, Auswechslungen, offensichtliches Zeitschinden (mit gelber Karte als Verwarnung), Spielertumulte oder andere zeitintensive Unterbrechungen des Spiels. Es liegt im individuellen Ermessen des Schiedsrichters, wieviel Zeit nachgespielt wird. Diese wird durch den vierten Offiziellen am Spielfeldrand angezeigt.
Nie wird die faktisch realistische Zeit der Unterbrechungen nachgespielt, selten ein annähernd passender Zeitraum. Eingespielt haben sich zur Halbzeit 1-2 Minuten und nach der 2. Halbzeit eine Verlängerung bis 5 Minuten (meistens 2-3), höchstselten liegt die Zeit darüber und auch nur bei außergewöhnlichen Unterbrechungen. Z.B. schlimme Fouls mit langer Behandlungszeit (auf dem Spielfeld) oder Fanausschreitungen, die das Spiel beeinflussen. Als längste Nachspielzeit bei einer Fussball-WM gilt die des schottischen Schiedsrichters Mottram im Spiel Bolivien gegen Südkorea bei der WM 1994 von 13 Minuten.
Bedenkt man, dass jede Mannschaft drei Spieler auswechseln darf (je 30-45 Sekunden), bei jedem Freistoß, Eckstoß oder Einwurf einige Sekunden vergehen, bis das Spiel wieder fortgeführt wird, bei Elfmeter sogar wesentlich länger, weil unendliche Diskussionen über dessen Berechtigung geführt werden müssen, kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass eine Gesamtverlängerung von 10 Minuten nicht übertrieben wäre.
Ein weiteres Argument für ausreichende Nachspielzeit ist das sogenannte Zeitschinden der jeweils führenden Mannschaft, welches bis zur Perfektion bis zum Abpfiff ausgeübt wird. Kurioserweise sind die letzten Sekunden eines Spiels die spannendsten, zumindest bei knappem Spielergebnis.
Gerade weil vermeintlich sichere Siege in den letzten Minuten und der dazugehörigen Nachspielzeit ausgeglichen oder sogar in eine Niederlage umgekehrt wurden (→1999, Bayern München).
Lustig dabei ist, die angezeigte Spielminute für ein in der Verlängerung erzieltes Tor. Das wurde nicht in der 94. Minute erzeilt, sondern in Minute 90 +4. Dramatisch und ärgerlich, wenn eine Mannschaft in der 89. Spielminute noch 2:0 führt und die Gegentore mit 90 + 2 und 90 + 3 angegeben werden. Zum Haare ausraufen, wenn noch eines in 90 + 5 dazukommt und anschließend das Spiel abgepfiffen wird.

Die Nachspielzeit ist eine fast magische Zeit. Auf der einen Seite die Hoffnung auf die allerletzte Chance zum Ausgleich oder Siegtreffer, auf der anderen Seite die Angst vorm Ausgleich oder der Niederlage in allerletzter Sekunde.

Interessant ist dies bei anderen Sportarten wie Handball oder Basketball zu beobachten, wo es eine wirklich aktive Spielzeit gibt und die Uhr, welche die Restspielzeit angibt, bei Unterbrechungen angehalten wird. Da dauern die letzten Sekunden oftmals mehrere Minuten und die Bruttogesamtspielzeit beträgt 90 Minuten, statt offiziell z.B. 60 bei Handball.

Deshalb: Ein Spiel dauert 90 Minuten + x !

Mit einem sportlichen Gruß aus der 99. Minute

euer SPIELLEITER