Regel 6 – Die Schiedsrichter-Assistenten

Liebe Fussballfreundinnen und -freunde,

nach dem Schiri besprechen wir nun Pflichte und Rechte seine Helfer.

Während bei unterklassigen Spielen mit nur einem Hauptschiedsrichter das Spiel abgewickelt wird (das muss reichen!), ist es undenkbar, in der Bundesliga oder gar internationalen Spielen mittlerweile mit ’nur‘ 3 Schiedsrichtern ein Spiel möglichst fehlerfrei zu begleiten. Bei internationalen Spielen (Europa League, Champions League, Europa- und Weltmeisterschaften) setzt man mittlerweile auf zwei weitere Assistenten. Die sogenannten Torschiedsrichter (auch Torrichter genannt). In der Bundesliga geht man seit der Saison 2015/2016 einen anderen Weg. Hier setzt man auf technische Hilfsmittel. Auf das sogenannte Hawk-Eye (Torlinienkamera).

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Die Aufgaben der beiden Assistenten besteht in erster Linie darin, an der Seitenlinie diagonal gegenüber positioniert, Spielszenen, aus einer ganz anderen Position, zum Teil mit wesentlich besserem Überblick und auch näher am Spielgeschehen als der Hauptschiedsrichter beurteilen und entscheiden zu können. Ein Foul, ein Handspiel, der Ball im Seitenaus oder die Eckball-Situation kann vom Assistenten oder in gemeinsamer Besprechung wesentlich genauer entschieden werden -> 6 Augen sehen mehr als 2 – sollten! Durch die Head-Set-Technik wurde den Schiedsrichtern die Kommunikation erleichtert und oftmals ist festzustellen, dass der Schiedsrichter auf Hinweis seines Assistenten erst zur Pfeife greift und eine Situatíon ahndet.
Ausgestattet mit einer Hinweisfahne, der Assistent besitzt keine Pfeife zur Unterbrechung des Spiels, zeigt er sowohl seinem Hauptschiedsrichter, wie auch den Spielern, die Spielunterbrechung an, welche natürlich vom Schiedsrichter per Pfeife signalisiert und ‚abgeschlossen‘ wird.

Was zu den wichtigsten Aufgaben des Assistenten an der Seitenlinie gehört, ist die Spielsituation, welche die Fussballgemüter nach wie vor am meisten erzürnt, zumindest in hitzige Diskusionen führt: ABSEITS.
Die Position am Spiellfeldrand und die Pflicht des Assistenten, sich immer auf Höhe des letztpostierten Spielers der verteigenden Mannschaft, zu befinden, setzt ihn in höchste Alarmbereitschaft, wenn sich Angreifer und Abwehrspieler in kniffeliger Position zueinander befinden, d.h. wenn die Abseits-Entscheidung von wenigen Zentimetern abhängt. Aktuell heiss diskutiert ist das „passive Abseits“, was es dem Assistenten alles andere als einfach macht. Dazu aber mehr in Regel 11, wenn das Thema Abseits besprochen wird.

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Eins muss unbedingt erwähnt werden: die Anzahl der Fehlentscheidungen bei der Abseitssituation im Verhältnis zur Gesamtanforderung an den Assistenten. Ich bin regelmäßig überrascht, wie oft man spontan anderer Meinung ist, jedoch feststellen muss, dass man damit falsch liegt – eine Fehlentscheidung getroffen hätte. Und genau das ist das Problem, drei Schiedsrichter sollen 22 Hochleistungssportler, die zum größten Teil während eines Spiels von 90 Minuten über 12 km zurücklegen, das bedeutet in der Summe der Feldspieler (20), eine Gesamt-Laufstrecke von ca. 240 km zu kontrollieren + die Torhüter.

Anderseits muss natürlich auch besprochen werden, dass dem Assistenten als Hauptverantwortlichen fürs Erkennen der Abseitssituation ebenfalls eine Menge Macht gegeben ist. Da diese Spielsituation in den meisten Fällen dazu führt, den Angreifer in Tornähe und damit in spielentscheidende Situationen zu bringen, kann jede Fehlentscheidung fatale Folgen für die benachteiligte Mannschaft haben.

Durch die Teambildung bei den Schiedsrichtern, es kommen immer der Hauptschiedsrichter mit seinen zwei festen Assistenten zum Einsatz, kann man von einem hohen Grad an Professionalität und Abstimmung innerhalb des Schiedsrichter-Teams, sprechen.

Machen Sie einmal die Probe und bewerten z.B. Abseitspositionen spontan aus Ihrer Sichtweise und vergleichen die Entscheidung mit des Assistenten – wie oft er und wie oft Sie daneben liegen.

Viel Spass beim assistieren wünscht der

SPIELLEITER und seine Assistenten.