Regel 5 – Der Schiedsrichter

Liebe Fussballfreundinnen und -freunde,

heute besprechen wir den ‚Schwarzen Mann‘ des Fussballs, von (fast) allen nicht geliebt.

Schwarzer Mann hat man den Schiedsrichter seit jeher auch genannt, das kommt von seinem Dress, welches bis vor wenigen Jahren eigentlich zu 99% monoton schwarz war. Seit einigen Jahren sind die Farben des Schiedsrichter-Dresses wesentlich freundlicher und farbintensiver geworden (→Regel 4 Ausrüstung).

Wesentlich freundlicher ist allerdings die Alternativbezeichnung ‚der 23. Mann‘, 2 Mannschaften á 11 Spieler = 22 + Schiedsrichter, ohne ihn findet kein gescheites, faires Spiel statt.

Die Bedeutung seiner Person beim Fussballspiel wird nicht zuletzt damit zum Ausdruck gebracht, dass dieser Teil des Regelwerkes des DFB mit Abstand am umfangreichsten ist. Ich werde mich aufs Notwendigste beschränken.

Während im Straßenverkehr früher durch Polizisten, heute überwiegend durch Ampeln geregelt ist, wer zuerst links abbiegen darf, hat der Schiedsrichter die Aufgabe, darauf zu achten, dass jede Mannschaft ihr Ziel regelkonform verfolgt, nämlich das Spiel zu gewinnen. Im Football oder Rugby, vor allem der australischen oder neuseeländischen Spielart, scheint es für den Laien so, als würden überhaupt keine Regeln existieren. Ähnlich würde das Fussbalspiel ohne Schiedsrichter ausarten (→Bolzen im Stadtpark).

Schiedsrichter

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Somit hat der Schiedsrichter das Problem, von allen Mannschaften und somit aller Fans als ‚Gegener‘ angesehen zu werden, weil er in in jedem Fall Entscheidungen trifft, die der einen oder anderen Mannschaft und somit der Fans nicht gefällt. Je tragreicher die Entscheidung (Elfmeter, Tor oder kein Tor, Rote Karte), desto größer der Unmut der betroffenen Partei.
Die physischen und auch psysischen Anforderungen an einen Schiedsrichter im Profifussball sind enorm hoch, werden durch ihn mitunter innerhalb vom Bruchteil einer Sekunde Entscheidungen getroffen, welche für einen Verein weitreichende Folgen haben können. Sollte diese Entscheidung über Auf- oder Abstieg eines Vereins, über die Meisterschaft oder einen Pokalsieg. entscheiden und dazu noch interpretationsfähig sein, also nicht zu 100% eindeutig, dann hagelt von allen, ausser von der prifitierenden Partei, unendlich Kritik. Unverständlicherweise geht diese bei manchen Fans sogar bis hin zu Morddrohungen – das ist schon eine außergewöhnliche Belastung.
Schiedsrichter im Profifussball haben eine langjährige Schulung und Praxisphase durchlaufen und sind somit als ’starke‘ Persönlichkeiten getestet für die Aufgaben, ein Fussballspiel mit 22 – mehr oder weniger – erwachsenen Männern zu leiten, für die es teilweise um ganz viel Kohle, manchmal sogar um die Existenz, geht.
Schiedsrichter müssen sich ebenso wie Spieler fit halten und werden regelmäßig bzgl. ihrer Fitness überprüft. Ein Schiedsrichter legt während eines Spiels eine Laufstrecke von ca. 10 km zurück und muss dabei die aktuelle Spielsituation permanent im Blick haben. Die Schiedsrichter werden während eines Spiel von Schiedsrichterbeobachtern kontrolliert und beurteilt und können am Ende einer Saison ebenfalls auf- und absteigen (1. / 2. / 3.-Liga).

Neben der Selbstverständlichkeit, sich um die Einhaltung der Regeln zu kümmern, muss man die Details dazu beleuchten, was das heisst, diese einzuhalten. Denn es gibt bei 2 teilnehmenden Mannschaften immer mindestens 2 unterschiedliche Meinungen, ob dies nun ein Foul war oder nicht, Abseits oder nicht, Handspiel oder nicht …
Hier kommt das Thema ‚Auslegungssache des Schiedsrichters‘ ganz stark zum tragen, teilweise auch beeinträchtigt durch ungünstige Einsicht in eine Spielsituation und das hohe Tempo in vielen Situationen. Ich bin kein Fan oder Fürsprecher von Schiedsrichtern, aber ich möchte nicht Samstag für Samstag in deren Haut stecken. Da gehört ’ne Portion Masochismus dazu.
Im Fernsehen wird in allen Sportkanälen unendlich oft die Spielsituation aus mindestens 3 verschiedenen Einstellungen in Zeitlupe und Superzeitlupe wiederholt, um endlich oder evtl. feststellen zu können, dass man es nicht wirklich beurteilen kann oder so-oder-so-auslegen kann …
Der arme Kerl muss es innerhalb in Bruchteilen von Sekunden.
Bei der Abseitsentscheidung muss der Schieds- und Linienrichter zusammen über eine Zentimeterdifferenz entscheiden, nachdem ein Ball vom Abwehrspieler über 30-40 Meter gespielt wurde, beim Foulspiel an der Straufraumgrenze geht es darum außerhalb, auf der Linie, innerhalb des Strafraums, war es überhaupt Foul oder eine Schwalbe. Ebenso bei einem möglichen Handspiel, ganz prekär, wenn das Problem mit der Strafraumgrenze hinzukommt. Da sind zwei wichtige Dinge zu erkennnen und zu entscheiden, da geht es nämlich darum ob es Elfmeter gibt (→Handspiel eines Feldspielers im Strafraum).
Ebenso liegt es im Ermessen und auch an der Einstellung des Schiedsrichters, wie diverse ‚kleinere‘ Vergehen geahndet werden. Dazu hat der Schiedsrichter neben der mündlichen Ermahnung, üblicherweise zu Beginn des Spiels, die Werkzeuge der ‚Gelben-‚ und ‚Roten Karte‘. Das ist im Grunde auch das einzige wovor Spieler respekt haben.
Die Gelbe Karte ist die Vorverwarnung, ist zunächst ohne Konsequenz, jedoch bedeutet die 5.Gelbe Karte in einer Saison eine Sperre für das kommende Spiel. Aus einer Gelben Karte in einem Spiel kann durch weiteres regelwidriges Verhalten eine so genannte Gelb-Rote Karte werden, was den sofortigen Spielausschluss bedeutet, die Mannschaft mit einem Spieler weniger das Spiel zu Ende bringen muss und der Spieler für das nächste Spiel gesperrt ist.
Für grobes Foulspiel, Wiederholungsfouls oder gemäß dem Regelwerk vorgegebene Strafen nach einem Vergehen sezt der Schiedsrichter unmittelbar die Rote Karte ein, welche für das aktuelle Spiel die gleichen Folgen hat, wie die Gelb-Rote Karte, jedoch wird der Spieler je nach Vergehen für mehrere Spiele gesperrt.
Und dies ist nicht unbedingt gut für die Fussbalkarriere (→mehr hierzu folgt in Regel 12).

Ich denke, aus den Erläuterungen wird klar, welche Position und Macht ein Schiedsrichter besitzt. Leider gibt es seit einigen Jahren gezwungenermaßen zu viele Diskussionen um den Missbrauch dieser macht, nämlich mit vorsätzlichen Fehlentscheidungen Spiele zu einem definierten Ausgang zu manipulieren (→ Hoyzer, Robert). Das kann so stattfinden, dass man wie oben ausführlich erläutert extrem unterschiedlicher Meinung über eine Entscheidung haben kann, ob der Tatsache, dass dies aber bei zwei unterschiedlichen Interessenlagern normal ist, nicht unmittelbar auf die Idee kommt, da könnte eine manipulation stattfinden. Da dies jedoch absolut die Ausnahme darstellt – zumindest in Deutschland – findet die Kampagne des DFB ‚Respekt für den 23.Mann‘ eine große Anerkennung und absolut berechtigt.
In der nächsten Regel-Folge geht es um die Helferlein des Schiedsrichter, die Schiedsrichter-Assistenten und der der sogenannte 4. Offizielle, ein Schiedsrichter-Team in der Bundesliga besteht aus 4 Personen, bei Europa- und Weltmeisterschaften und in der UEFA Champions League sogar aus 6 Personen.

Frei nach Arndt Zeigler: „Das muss für heute reichen“.

Immer schön fair bleiben, euer SPIELLEITER